Biofeedback 

Anwendungsmöglichkeiten

Die Einsatzmöglichkeiten der Behandlungstechnik sind sehr vielfältig. Die Häufigste Anwendungen finden sich im Bereich der Psychosomatik, Schmerztherapie, Psychologie, ADHS, Migränetherapie und Rehabilitation von Muskeln. Als Training wird Biofeedback auch im Bereich des Sports und des Coachings eingesetzt.
Für viele der angeführten Indikationsbereiche sind stichhaltige Wirksamkeitsnachweise in Form von kontrollierten Studien erbracht und in Metaanalysen mittlere bis große Effektstärken gezeigt worden. 


Inkontinenztherapie

Biofeedback ist eine sehr erfolgreiche und effektive Behandlungsmethode verschiedenster Inkontinenzformen.

Insbesondere bei Stress-Harninkontinenz und Dranginkontinenz (Erfolgsraten von fast 80% in nur wenigen Sitzungen), aber auch bei Analinkontinenz sind hohe Erfolgsraten beschrieben.

Behandlung von Inkontinenz mit Biofeedback

Mittels Vaginal- und Anal-Elektroden wird über EMG-Biofeedback die Spannung des Beckenbodens gemessen und dem Patienten über den Bildschirm rückgemeldet. Im Gegensatz zu vielen anderen Biofeedback-Modalitäten ist hier nicht die Entspannung das Ziel, sondern die Kräftigung der beteiligten Strukturen.
Durch die objektive Rückmeldung der korrekte platzierten Elektrode wird gewährleistet, dass sich der Erfolg tatsächlich nur bei der tatsächlichen Anspannung des Beckenbodens (und nicht bloß umliegender Strukturen, welche dem Patienten ein falsches Gefühl vermitteln) einstellt.
Das Training selbst besteht aus einer Abfolge von Anspannungs- und Entspannungsphasen wobei die Patienten über das Maß der Anspannung und Entspannung Rückmeldung erhalten. Der Vorteil gegenüber herkömmlichem Beckenbodentraining besteht darin, dass die Muskel-Wahrnehmung schnell erlernt wird und damit die richtigen Muskeln trainiert werden. Die Behandlung eignet sich auch für die Behandlung von Sexualstörungen wie Vaginismus.

Biofeedback ist eine sehr erfolgreiche und effektive Behandlungsmethode verschiedenster Inkontinenzformen. Insbesondere bei Stress-Harninkontinenz und Dranginkontinenz (Erfolgsraten von fast 80% in nur wenigen Sitzungen3), aber auch bei Analinkontinenz sind hohe Erfolgsraten beschrieben. Die Methode kann auch von älteren Patienten sehr gut erlernt werden3.

Der klinische Erfolg der Biofeedback-Behandlung bei Inkontinenz ist signifikant und zeitlich stabil (61% Abnahme der Inkontinenzschwere im 2-Jahres-Katamneseraum)4. Der Fortschritt der Behandlung kann mittels Biofeedback auch schneller erzielt werden, als bei herkömmlichen Beckenbodentraining (6 Sitzungen im Vergleich zu 12)5.

Bei der männlichen Harninkontinenz nach einer Prostataektomie spricht die momentane Datenlage dafür, dass die Heilung postoperativ beschleunigt wird1.

Bei regelmäßigem Training wird die Kontrolle über den Verschlussmuskel theoretisch für immer erhalten. Die Patienten haben nämlich eine neue Fertigkeit erlernt und können diese nun immer wieder bewusst einsetzen. Diese Kontrolle über die Harnausscheidung ermöglicht es den Betroffenen, wieder unbeschwert und mit gesteigertem Wohlbefinden in die Öffentlichkeit zu gehen und endlich ein Leben ohne Einschränkungen zu führen.


weitere Anwendungsmöglichkeiten


Stress und Burnout

Biofeedback wird in der Arbeit mit Stress und Burnout, sowie zur Prävention solcher Beschwerden eingesetzt und hat sich in diesen Bereichen als wirksam gezeigt.
Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist die Bewusstmachung von Stressbelastung, da das „Gefühl“ für die eigenen Körperprozesse durch chronischen Stress bereits oft abgeschwächt wurde. 

Biofeedback in der Schmerztherapie

Die Behandlung von Schmerz mittels Biofeedback ist eines der erfolgreichsten Anwendungsgebiete:
Biofeedback bei Spannungskopfschmerz
Biofeedback bei Migräne
Biofeedback bei chronischen Rückenschmerzen
Biofeedback bei Bruxismus und Gesichtsschmerz

Entspannungstraining mit Biofeedback

Auch abseits von klinischen Beschwerden ist es eine Bereicherung für den eigenen Energiehaushalt, Entspannungstraining mittels Biofeedback zu erlernen und bewusst Regenerationsphasen in den Tagesablauf einzubinden. 

So wird Biofeedback beispielsweise im Bereich der Wellness oder Prävention angewandt um den Klienten Entspannung näherzubringen.

Stressdiagnostik mit Biofeedback

Bevor man mit einer Biofeedback-Behandlung beginnt, ist es sinnvoll zuallererst einige Fragen zu beantworten, welche die individuelle Stressreaktion des Patienten oder Klienten betreffen.

Dazu gibt es zwei Möglichkeiten, kurze Stresstests, welche die Stress- und Erholungsreaktion des Körpers testen sowie Langzeitmessungen, welche Belastung und Erholung über einen ganzen Tag hinweg überprüfen.

Biofeedback bei Angststörungen

Angstzustände sind für die Betroffenen eine Hürde in der Bewältigung des Alltags. Biofeedback unterstützt den Klienten (z.B. mittels Atemtraining) mittels einer allgemeine Entspannung die Auftrittswahrscheinlichkeit der Angst an sich zu verringern.

Zusätzlich wird auch intensiv mit Konfrontationstraining gearbeitet. Hierbei erlernt erlernt der Patient, sich angesichts des angstauslösenden Reizes, zu entspannen. Nach bereis ca. 6 bis 12 Sitzungen zeigen sich Verbesserungen und signifikante Symptomreduktionen.

Biofeedback bei Depression

Biofeedback kann die Ziele von kognitiven und verhaltenstherapeutischen Interventionen unterstützen und zur Verbesserung der Selbstwirksamkeit oder der kognitiver Überzeugungen beitragen.

Eine Studie welche unter anderem HRV-Biofeedback nutzte, kam zu dem Schluss, dass Biofeedback eine nützliche Begleittherapie für die Behandlung einer Major Depression zu sein scheint.

Biofeedback bei PTBS

In der Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) mit Biofeedback kann beispielsweise ein Atemtraining als unterstützende Behandlung der kognitiven Verhaltenstherapie angewandt werden. In einer Studie erwies sich z.B Atembiofeedback als praktische und leicht zu ergänzende Behandlungsmethode für die PTBS.

Über die Behandlung traumatisierter Schmerzpatienten wurde von Frau Dr. Liedl und Kolleginnen auch ein Manual veröffentlicht, welches die Biofeedback-Therapie mit einschließt.

Biofeedback bei Bluthochdruck

In der Behandlung von Bluthochdruck mit Biofeedback werden häufig Atembiofeedback und HRV-Training angewandt.

In der Studie „Evidence-Based Practice in Biofeedback and Neurofeedback“ wurde Biofeedbacktherapie bei Bluthochdruck mit der zweithöchsten Wirksamkeitsstufe bewertet.

Biofeedback bei Schlafstörungen

Verhaltensorientierte Behandlungen wie Biofeedback sollten dank ihrer langfristigen guten Wirksamkeit und dem Fehlen von schädigenden Nebenwirkungen als die Therapie der Wahl bei Schlaflosigkeit angesehen werden. 

Bei Schlafstörungen werden oft verschiedene Varianten des Biofeedback kombiniert, um eine Art Einschlafprotokoll einzuüben (Körper warm werden lassen, Muskeln entspannen…)

Biofeedback bei Morbus Raynaud

Diese Erkrankung, umgangsprachlich auch als Weißfingerkrankheit bezeichnet, zeigt sich durch Taubheit, Schmerzen und Kälte in den Fingern und Zehen. Von vielen Therapeuten wird in der Behandlung von Morbus Raynaud Temperatur-Biofeedback angewandt. Dessen Ziel ist es, die Finger willentlich zu erwärmen.

Im Schnitt wird in der Literatur von 5-10 Sitzungen berichtet. Die langfristige Erfolgsrate liegt bei 70%.

Biofeedback in der Rehabilitation

Mittels EMG-Biofeedback können selbst kleinste Regungen gelähmter oder atrophierter Muskeln gemessen werden. Diese werden dem Patienten auf dem Bildschirm rückgemeldet.

In kleinen Schritten lernen die Patienten den Muskel zu aktivieren und trainieren.

Diese Behandlungsmethode verfügt über nachgewiesene Langzeiteffekte. 

Biofeedback bei Tinnitus

Biofeedback wird bei chronischem Tinnitus eingesetzt, da dieser sehr oft mit einem erhöhten Stress- und Anspannungsniveau einhergeht. Verspannungen und Stress können den Tinnitus auslösen oder verschlimmern.

Eine Studie kam hier zu dem Schluss, dass ein Biofeedback ein sehr gut akzeptiertes und wirksames Verfahren zur Verringerung der Tinnitusbelastung darstell